Sammy und die Leishmaniose - Kampf auf Leben und Tod
Nun war ich schon fast ein Jahr bei meinem Frauchen und genoß das Leben in vollen Zügen. Ich lernte viele neue Dinge kennen, fand neue Freunde und in Spike sogar einen besten Freund fürs Leben.
Weder mein Frauchen noch ich ahnten, dass dieses neue und superschöne Leben schon bald auf eine harte Probe gestellt werden sollte.
Ende 2017 ging es mir plötzlich nicht so gut. Ich hatte Schmerzen im Rücken, konnte manchmal meine Hinterbeine nicht richtig belasten und hinkte so vor mich hin, fühlte mich total schlapp......zunächst dachte jeder, einschließlich verschiedener Tierärzte und Hundephysiotherapeuten, dass es sich bei den Beschwerden um Verschleißerscheinungen handelte......ok, ich bin ja kein Greis, aber so einige Jährchen habe ich schon auf dem Buckel und wenn man in spanischen Tierheimen im Zwinger auf hartem Boden liegen muss, dann liegt es schon nahe, dass ich "Rücken" hatte......aber weit gefehlt....
Ich wurde zunächst mit Schmerzmitteln, Antibiotika und Kortison behandelt. Es ging mir immer schlechter, ich konnte mich kaum noch auf den Beinen halten.....mein Frauchen machte sich riesige Sorgen......
Zunächst einmal wurde ein Röntgenbild gemacht, weil man immer noch dachte, ich hätte Rücken.....die Bilder sahen schonmal nicht so schön aus, mein Frauchen war total geschockt...
Der Tierarzt erklärte meinem Frauchen, dass ich eine volle Ladung Schrot ins Hinterteil bekommen habe.....Jaaaaa, daran kann ich mich noch gut erinnern, das war ganz schrecklich....ich wurde in Spanien aus einem Auto beschossen, es knallte ganz laut und dann tat es ganz furchtbar weh.....und niemand war da, der mir helfen konnte oder wollte.....ich musste das alles ganz allein verkraften und bewältigen.....der Tierarzt wunderte sich, dass ich das überlebt habe, er sagte, normalerweile sterben die Tiere schon am Schock, wenn sie so viele Kugeln treffen, und die Ladung müsste mich auch aus nächster Nähe getroffen haben, da Schrot streut und bei größerer Entfernung weniger Kugeln auf den Körper treffen.....Ja, das Auto war ganz nah....deshalb habe ich heute noch Angst, wenn ein Auto nah an mir vorbei fährt....ich weiß ja nicht, ob da nicht wieder so ein Idiot drinsitzt, mit der Schrotflinte....mein Frauchen achtet darauf, dass mir nichts mehr passiert, aber etwas Angst habe ich dann doch noch....und dann belle ich das Auto ganz laut an, laufe hinterher und versuche, das Auto zu vertreiben.....Den Schrotschuss habe ich überlebt, ganz allein, weil ich leben wollte....
Nun stellte sich die Frage, ob man die Kugeln rausoperieren sollte oder nicht.
Dazu wurden Blutuntersuchungen gemacht.....hey, das war total unangenehm, so gepikst zu werden, wenn es mir schon so schlecht ging....ich versuchte mich zu wehren, hatte aber dazu gar keine Kraft mehr.....und das Ergebnis der Blutuntersuchungen war echt besch.......
Zwar hatte ich keine Bleivergiftung, offensichtlich waren es keine Bleigeschosse, so dass mein Frauchen entschied, die Kugeln dort zu lassen, wo sie waren. Die Ärzte in der Tierklinik erklärten auch, dass man generell mehr kaputt machen kann, wenn man versucht, die Kugeln rauszuschneiden.....da war ich erleichtert, denn das hörte sich für mich sehr schmerzhaft an, und dann noch Narkose und mehrere Tage in der Klinik bleiben.....nein, Frauchen, ich will nicht ohne Dich in der Tierklinik bleiben, da kenne ich doch niemanden.....und dann bin ich wieder alleine....
Aber meine sonstigen Blutwerte waren ganz gruselig. Meine Leberwerte waren viel zu hoch, ich hatte dazu noch eine Anämie, deshalb war ich total schlapp und immer müde.
Im Ultraschall sah man auch, dass meine Leber viel zu groß war. Und in der Klinik machte man noch eine Lymphknotenbiopsie.....ich wurde wieder gepikst, aber diesmal hielt ich still, ich konnte mich schon gar nicht mehr wehren......
Dann das Ergebnis: Leishmaniose.......was war das denn für Schweinskram????Frauchen, was habe ich denn??? Nun sag schon.....aber Frauchen wusste auch nicht, was das ist.....Sie ließ es sich aber von den Ärzten erklären......eine Mittelmeerkrankheit also.....aber Frauchen, ich war doch gar nicht im Meer......achso, das wird von Sandmücken übertragen.....hm, gestochen wurde ich in Spanien recht oft....ich war ja immer draußen.....ach, und diese Sandmücken sind erst in der Dämmerung aktiv? Ja, da wurde ich oft gestochen, wenn ich geschlafen habe.....aber was ist denn nun Leishmaniose? Und warum geht es mir so schlecht? Die Tierärzte in Spanien haben doch alle Tests gemacht und nichts gefunden......Aha, die Leishmaniose ist eine Infektionskrankheit und hat eine Inkuba.....was? Inkubationszeit? Was ist das denn? Achso die Zeit zwischen Infektion und Auftreten der ersten Symptome. Und wie lang ist diese Inkuba.....Inkubationszeit? Bis zu sieben Jahre? Ohje......und diese Biester....wie heißen die? Leishmanien? Was machen die mit mir? Die befallen meine inneren Organe? Leber, Milz waren bei mir wohl schon befallen.....und die rufen eine Anämie hervor? Ja, das hatte ich auch. Und Fieberschübe? Ja, Fieber hatte ich regelmäßig...
Ja, diese Inkubationszeit war bei mir tatsächlich wohl recht lang....die ersten Symptome traten trotz negativer Testungen ein Jahr vorher nun erst Ende 2017/Anfang 2018 auf....Und was für Symptome....ich fühlte mich sterbenselend....Normalerweise sieht man den Hunden mit Leishmaniose die Erkrankung an, da sie sich in Wunden an Ohren, Nase, Augen und mit Fellausfall bemerkbar macht. Ich hatte eine Version der Leishmaniose erwischt, die sich äußerlich nicht zeigte, wenn man mal von Nasenbluten absieht.....bei mir ging diese Scheißkrankheit auf die inneren Organe....
Frauchen, was machen wir denn jetzt? Ich kann nicht mehr, fühle mich so schlapp, kann nicht fressen und nicht laufen.....hilf mir!
In dieser Zeit trug mein Frauchen mich im wahrsten Sinne des Wortes auf Händen. Ich war so schlapp, dass sie mich sogar das kurze Stueck vom Auto zum Tierarzt tragen musste, auch auf Gassigängen klappte ich oft einfach zusammen und mein Frauchen musste mich dann nach Hause tragen.
Mein Frauchen ließ sich in der Klinik erklären, wie die Leishmaniose behandelt werden kann. Dort wurde ihr aber auch gesagt, dass Leishmaniose nicht heilbar sei und nicht sicher sei, ob ich überhaupt überleben würde......
Die Tierärzte wollten mich einige Tage in der Klinik behalten, mir Infusionen und Bluttransfusionen geben.....Frauchen, lass mich nicht alleine hier ...... Ich habe Angst! Und mein Frauchen ließ mich tatsächlich nicht in der Klinik, nahm mich mit nach Hause und pflegte mich dort...
... Sie entschied sich dafür, eine so genannte Chemo zu machen, mit dem Medikament Milteforan und zusätzlich Allopurinol, in der Hoffnung, das Richtige zu tun und mir schnell zu helfen....In den ersten zwei Wochen vertrug ich Milteforan ganz gut, es ging mir täglich etwas besser, wir hatten beide Hoffnung, dass ich das alles gut überstehen würde....aber dann!
An dem folgenden Wochenende dachten wir, ich würde es nicht mehr schaffen. Ich war so schlapp, musste ständig brechen und bekam heftigen Durchfall.....Ich lag nur noch in meinem Bettchen, es ging gar nichts mehr. Frauchen musste mich nachts mehrfach raus tragen, damit ich mein Geschäft machen konnte. Ich konnte nicht mehr laufen, und es kam auch nur noch Flüssiges aus mir raus. Frauchen musste mich danach immer richtig waschen, denn ich beschmutzte mich dabei ordentlich, das führte dazu, dass wir beide nachts kein Auge zumachen konnten.....es ging mir soooooo schlecht.....ich konnte auch nichts mehr zu mir nehmen.....mein Frauchen blieb die ganze Zeit neben mir und flößte mir Wasser mit dem Finger ein....immer ein bischen eintauchen ins Wasser und ich leckte das Wasser dann vom Finger ab....war das anstrengend....danach schlief ich dann sofort wieder ein.....wenn da nicht immer diese Bauchkrämpfe gewesen wären....
Mein Frauchen entschloß sich dann, die Chemo abzubrechen.....Sie gab mir nur noch Allopurinol. Dann wurde ihr von Freunden ein Tierarzt empfohlen, der sich auf Leishmanioseerkrankungen spezialisiert hat......Dr. Martin Borgers in Ratingen.....mein Frauchen fuhr mit mir dorthin, es ging mir echt schlecht....Dort wurde noch einmal ein Blutbild gemacht, und Dr. Borgers nannte die Werte ebenfalls "gruselig"......ja, mir ging es auch gruselig....aber ich wollte leben! Dr. Borgers stellte die Medikamente um. Ich bekam nun Allopurinol in einer anderen Dosierung, dann ein leberunterstützendes Medikament und ein Medikament, dass das Immunsystem stützen sollte. Mein Frauchen gab mir zusätzlich Elektrolyte, da ich ja durch den heftigen Durchfall und das Erbrechen einige Kilo Gewicht verloren hatte und damit auch mein gesamter Mineralstoffwechsel durcheinander war. Wir waren froh, dass ich mir in dem ersten Jahr in Deutschland eine kleine Wampe angefuttert hatte. Ich kam mit 7 kg in Deutschland an, und als die ersten Symptome ausbrachen, hatte ich knapp 11 kg auf den Rippen, von denen aber nun nicht mehr viel da war....ich war total abgemagert...
Mein Frauchen versorgte mich in den Wochen danach total super, kümmerte sich rund um die Uhr um mich, ich bekam die neuen Medikamente, viel viel Liebe, und alles, was ich sonst brauchte. Mein Frauchen suchte sich alle Informationen zusammen die helfen konnten, mich zu retten. Sie recherchierte im Internet, fragte die Leute vom Tierschutzverein in Neuss, die mich nach Deutschland geholt hatten, löcherte meine ehemalige Pflegestelle, und bekam auch wertvolle Informationen von Podencorosa in Tecklenburg.
Meine Ernährung musste auf purinarme Ernährung umgestellt werden. Durch das Medikament Allopurinol bestand wohl die Gefahr, dass ich Blasensteine entwickeln könnte, die dann evtl. zu einem Harnröhrenverschluss führen könnten, was nichts anderes als Lebensgefahr bedeutete....haha, Frauchen, noch mehr Lebensgefahr? Aber gut, ich mach alles, was Du willst.....und ich bekam wieder etwas Appetit, denn Frauchen kochte extra für mich....und das war richtig lecker....Purinarmes Fressen klingt erstmal sehr asketisch, oder? Und gehungert hatte ich doch in Spanien wirklich genug, nicht? Aber......das war echt lecker.....Frauchen kochte einen Möhren-Süsskartoffel-Brei, dazu garte sie Hühnchenfleisch, das war purinarm, und Rinderhack, das war nicht so purinarm, aber wegen meiner Anämie musste ich auch rotes Fleisch zu mir nehmen,....und mischte alles mit Distelöl und gab noch ein Pulver mit Mineralstoffen dazu.....das schmeckte mir und ich konnte wieder mit Appetit fressen, jeden Tag ein wenig mehr.....Das macht mein Frauchen übrigens bis heute, denn so lange ich das Allopurinol nehmen muss, muss ich mich auch purinarm ernähren....das geht übrigens ganz schnell, großer Pott mit Möhren und Süßkartoffeln garen, alles durchmixen, Fleisch garen, zusammen abfüllen und dann portionsweise einfrieren....lecker.....kann ich jeden Tag fressen...und wenn dann ab und zu noch ein bischen Feta oder Huettenkaese dabei ist.....ooooooh, dann putze ich das alles ganz schnell weg....
Nach einigen Wochen ging es mir deutlich besser, die Blutwerte waren besser geworden, die Leber hatte sich etwas erholt und die Anämie war auch zurück gegangen.....und hey, ich konnte endlich wieder kleine Runden draußen auf meinen eigenen vier Pfoten laufen, zwar langsam, aber immerhin....das war ein ganz neues Lebensgefühl.....und es war mittlerweile April geworden, Frühling....die Sonne schien, da fror ich dann auch nicht mehr so erbärmlich.....
Es war fast wie ein Wunder, ich überlebte diesen schrecklichen Zustand.....weil ich ein Kämpfer bin, und nicht sterben wollte. Ich wollte das Leben bei meinem Frauchen noch lange genießen....und mein Frauchen tat auch alles, um mich dabei zu unterstützen.....DANKE, Frauchen! Das werde ich nie vergessen.....
Mir ging es täglich besser, ich wurde agiler und nahm auch wieder an Gewicht zu und hey, die 11 kg habe ich schon wieder drauf.....auch wenn der Tierarzt sagt, das sei ein wenig zuviel, es müsste etwas Gewicht reduziert werden......oooooooooch.....echt jetzt?
Das Allopurinol muss ich weiter nehmen, das Medikament zur Unterstützung des Immunsystems konnte ich mittlerweile absetzen, und nun warten wir die nächsten Laborwerte ab.....aber hey, ich bin wieder da! Und ich genieße mein Leben nun noch mehr.....
.....ich kann endlich wieder im Wald auf einer Mauer sitzen, und alle Gerüche in die Nase saugen, die Augen schließen und Geräusche hören und die Sonne auf dem Fell spüren....und mein Frauchen neben mir, sie passt auf mich auf.....
......auch wenn ich mal wieder Unsinn mache....
Und der Dr. Borgers, der ist echt klasse, auch wenn er mich immer Stinkstiefel nennt, weil ich mich immer so zickig anstelle.....aber er pikst mich ja auch jedesmal, wenn ich da bin....jaja, Frauchen, ich weiß, das muss sein....aber ich bin doch in den letzten Monaten so oft gepisakt worden, da muss ich mich doch mal ein wenig wehren, jetzt wo ich es wieder kann.....so ein Straßenhund muss doch auch mal motzen können......aber hey, Dr. Borgers darf mich auch weiter Stinkstiefel nennen, der hat mir nämlich das Leben gerettet.....neben meinem Frauchen natürlich....Frauchen, wann gibt es was zu futtern?
Weder mein Frauchen noch ich ahnten, dass dieses neue und superschöne Leben schon bald auf eine harte Probe gestellt werden sollte.
Ende 2017 ging es mir plötzlich nicht so gut. Ich hatte Schmerzen im Rücken, konnte manchmal meine Hinterbeine nicht richtig belasten und hinkte so vor mich hin, fühlte mich total schlapp......zunächst dachte jeder, einschließlich verschiedener Tierärzte und Hundephysiotherapeuten, dass es sich bei den Beschwerden um Verschleißerscheinungen handelte......ok, ich bin ja kein Greis, aber so einige Jährchen habe ich schon auf dem Buckel und wenn man in spanischen Tierheimen im Zwinger auf hartem Boden liegen muss, dann liegt es schon nahe, dass ich "Rücken" hatte......aber weit gefehlt....
Ich wurde zunächst mit Schmerzmitteln, Antibiotika und Kortison behandelt. Es ging mir immer schlechter, ich konnte mich kaum noch auf den Beinen halten.....mein Frauchen machte sich riesige Sorgen......
Zunächst einmal wurde ein Röntgenbild gemacht, weil man immer noch dachte, ich hätte Rücken.....die Bilder sahen schonmal nicht so schön aus, mein Frauchen war total geschockt...
Der Tierarzt erklärte meinem Frauchen, dass ich eine volle Ladung Schrot ins Hinterteil bekommen habe.....Jaaaaa, daran kann ich mich noch gut erinnern, das war ganz schrecklich....ich wurde in Spanien aus einem Auto beschossen, es knallte ganz laut und dann tat es ganz furchtbar weh.....und niemand war da, der mir helfen konnte oder wollte.....ich musste das alles ganz allein verkraften und bewältigen.....der Tierarzt wunderte sich, dass ich das überlebt habe, er sagte, normalerweile sterben die Tiere schon am Schock, wenn sie so viele Kugeln treffen, und die Ladung müsste mich auch aus nächster Nähe getroffen haben, da Schrot streut und bei größerer Entfernung weniger Kugeln auf den Körper treffen.....Ja, das Auto war ganz nah....deshalb habe ich heute noch Angst, wenn ein Auto nah an mir vorbei fährt....ich weiß ja nicht, ob da nicht wieder so ein Idiot drinsitzt, mit der Schrotflinte....mein Frauchen achtet darauf, dass mir nichts mehr passiert, aber etwas Angst habe ich dann doch noch....und dann belle ich das Auto ganz laut an, laufe hinterher und versuche, das Auto zu vertreiben.....Den Schrotschuss habe ich überlebt, ganz allein, weil ich leben wollte....
Nun stellte sich die Frage, ob man die Kugeln rausoperieren sollte oder nicht.
Dazu wurden Blutuntersuchungen gemacht.....hey, das war total unangenehm, so gepikst zu werden, wenn es mir schon so schlecht ging....ich versuchte mich zu wehren, hatte aber dazu gar keine Kraft mehr.....und das Ergebnis der Blutuntersuchungen war echt besch.......
Zwar hatte ich keine Bleivergiftung, offensichtlich waren es keine Bleigeschosse, so dass mein Frauchen entschied, die Kugeln dort zu lassen, wo sie waren. Die Ärzte in der Tierklinik erklärten auch, dass man generell mehr kaputt machen kann, wenn man versucht, die Kugeln rauszuschneiden.....da war ich erleichtert, denn das hörte sich für mich sehr schmerzhaft an, und dann noch Narkose und mehrere Tage in der Klinik bleiben.....nein, Frauchen, ich will nicht ohne Dich in der Tierklinik bleiben, da kenne ich doch niemanden.....und dann bin ich wieder alleine....
Aber meine sonstigen Blutwerte waren ganz gruselig. Meine Leberwerte waren viel zu hoch, ich hatte dazu noch eine Anämie, deshalb war ich total schlapp und immer müde.
Im Ultraschall sah man auch, dass meine Leber viel zu groß war. Und in der Klinik machte man noch eine Lymphknotenbiopsie.....ich wurde wieder gepikst, aber diesmal hielt ich still, ich konnte mich schon gar nicht mehr wehren......
Dann das Ergebnis: Leishmaniose.......was war das denn für Schweinskram????Frauchen, was habe ich denn??? Nun sag schon.....aber Frauchen wusste auch nicht, was das ist.....Sie ließ es sich aber von den Ärzten erklären......eine Mittelmeerkrankheit also.....aber Frauchen, ich war doch gar nicht im Meer......achso, das wird von Sandmücken übertragen.....hm, gestochen wurde ich in Spanien recht oft....ich war ja immer draußen.....ach, und diese Sandmücken sind erst in der Dämmerung aktiv? Ja, da wurde ich oft gestochen, wenn ich geschlafen habe.....aber was ist denn nun Leishmaniose? Und warum geht es mir so schlecht? Die Tierärzte in Spanien haben doch alle Tests gemacht und nichts gefunden......Aha, die Leishmaniose ist eine Infektionskrankheit und hat eine Inkuba.....was? Inkubationszeit? Was ist das denn? Achso die Zeit zwischen Infektion und Auftreten der ersten Symptome. Und wie lang ist diese Inkuba.....Inkubationszeit? Bis zu sieben Jahre? Ohje......und diese Biester....wie heißen die? Leishmanien? Was machen die mit mir? Die befallen meine inneren Organe? Leber, Milz waren bei mir wohl schon befallen.....und die rufen eine Anämie hervor? Ja, das hatte ich auch. Und Fieberschübe? Ja, Fieber hatte ich regelmäßig...
Ja, diese Inkubationszeit war bei mir tatsächlich wohl recht lang....die ersten Symptome traten trotz negativer Testungen ein Jahr vorher nun erst Ende 2017/Anfang 2018 auf....Und was für Symptome....ich fühlte mich sterbenselend....Normalerweise sieht man den Hunden mit Leishmaniose die Erkrankung an, da sie sich in Wunden an Ohren, Nase, Augen und mit Fellausfall bemerkbar macht. Ich hatte eine Version der Leishmaniose erwischt, die sich äußerlich nicht zeigte, wenn man mal von Nasenbluten absieht.....bei mir ging diese Scheißkrankheit auf die inneren Organe....
Frauchen, was machen wir denn jetzt? Ich kann nicht mehr, fühle mich so schlapp, kann nicht fressen und nicht laufen.....hilf mir!
In dieser Zeit trug mein Frauchen mich im wahrsten Sinne des Wortes auf Händen. Ich war so schlapp, dass sie mich sogar das kurze Stueck vom Auto zum Tierarzt tragen musste, auch auf Gassigängen klappte ich oft einfach zusammen und mein Frauchen musste mich dann nach Hause tragen.
Mein Frauchen ließ sich in der Klinik erklären, wie die Leishmaniose behandelt werden kann. Dort wurde ihr aber auch gesagt, dass Leishmaniose nicht heilbar sei und nicht sicher sei, ob ich überhaupt überleben würde......
Die Tierärzte wollten mich einige Tage in der Klinik behalten, mir Infusionen und Bluttransfusionen geben.....Frauchen, lass mich nicht alleine hier ...... Ich habe Angst! Und mein Frauchen ließ mich tatsächlich nicht in der Klinik, nahm mich mit nach Hause und pflegte mich dort...
... Sie entschied sich dafür, eine so genannte Chemo zu machen, mit dem Medikament Milteforan und zusätzlich Allopurinol, in der Hoffnung, das Richtige zu tun und mir schnell zu helfen....In den ersten zwei Wochen vertrug ich Milteforan ganz gut, es ging mir täglich etwas besser, wir hatten beide Hoffnung, dass ich das alles gut überstehen würde....aber dann!
An dem folgenden Wochenende dachten wir, ich würde es nicht mehr schaffen. Ich war so schlapp, musste ständig brechen und bekam heftigen Durchfall.....Ich lag nur noch in meinem Bettchen, es ging gar nichts mehr. Frauchen musste mich nachts mehrfach raus tragen, damit ich mein Geschäft machen konnte. Ich konnte nicht mehr laufen, und es kam auch nur noch Flüssiges aus mir raus. Frauchen musste mich danach immer richtig waschen, denn ich beschmutzte mich dabei ordentlich, das führte dazu, dass wir beide nachts kein Auge zumachen konnten.....es ging mir soooooo schlecht.....ich konnte auch nichts mehr zu mir nehmen.....mein Frauchen blieb die ganze Zeit neben mir und flößte mir Wasser mit dem Finger ein....immer ein bischen eintauchen ins Wasser und ich leckte das Wasser dann vom Finger ab....war das anstrengend....danach schlief ich dann sofort wieder ein.....wenn da nicht immer diese Bauchkrämpfe gewesen wären....
Mein Frauchen entschloß sich dann, die Chemo abzubrechen.....Sie gab mir nur noch Allopurinol. Dann wurde ihr von Freunden ein Tierarzt empfohlen, der sich auf Leishmanioseerkrankungen spezialisiert hat......Dr. Martin Borgers in Ratingen.....mein Frauchen fuhr mit mir dorthin, es ging mir echt schlecht....Dort wurde noch einmal ein Blutbild gemacht, und Dr. Borgers nannte die Werte ebenfalls "gruselig"......ja, mir ging es auch gruselig....aber ich wollte leben! Dr. Borgers stellte die Medikamente um. Ich bekam nun Allopurinol in einer anderen Dosierung, dann ein leberunterstützendes Medikament und ein Medikament, dass das Immunsystem stützen sollte. Mein Frauchen gab mir zusätzlich Elektrolyte, da ich ja durch den heftigen Durchfall und das Erbrechen einige Kilo Gewicht verloren hatte und damit auch mein gesamter Mineralstoffwechsel durcheinander war. Wir waren froh, dass ich mir in dem ersten Jahr in Deutschland eine kleine Wampe angefuttert hatte. Ich kam mit 7 kg in Deutschland an, und als die ersten Symptome ausbrachen, hatte ich knapp 11 kg auf den Rippen, von denen aber nun nicht mehr viel da war....ich war total abgemagert...
Mein Frauchen versorgte mich in den Wochen danach total super, kümmerte sich rund um die Uhr um mich, ich bekam die neuen Medikamente, viel viel Liebe, und alles, was ich sonst brauchte. Mein Frauchen suchte sich alle Informationen zusammen die helfen konnten, mich zu retten. Sie recherchierte im Internet, fragte die Leute vom Tierschutzverein in Neuss, die mich nach Deutschland geholt hatten, löcherte meine ehemalige Pflegestelle, und bekam auch wertvolle Informationen von Podencorosa in Tecklenburg.
Meine Ernährung musste auf purinarme Ernährung umgestellt werden. Durch das Medikament Allopurinol bestand wohl die Gefahr, dass ich Blasensteine entwickeln könnte, die dann evtl. zu einem Harnröhrenverschluss führen könnten, was nichts anderes als Lebensgefahr bedeutete....haha, Frauchen, noch mehr Lebensgefahr? Aber gut, ich mach alles, was Du willst.....und ich bekam wieder etwas Appetit, denn Frauchen kochte extra für mich....und das war richtig lecker....Purinarmes Fressen klingt erstmal sehr asketisch, oder? Und gehungert hatte ich doch in Spanien wirklich genug, nicht? Aber......das war echt lecker.....Frauchen kochte einen Möhren-Süsskartoffel-Brei, dazu garte sie Hühnchenfleisch, das war purinarm, und Rinderhack, das war nicht so purinarm, aber wegen meiner Anämie musste ich auch rotes Fleisch zu mir nehmen,....und mischte alles mit Distelöl und gab noch ein Pulver mit Mineralstoffen dazu.....das schmeckte mir und ich konnte wieder mit Appetit fressen, jeden Tag ein wenig mehr.....Das macht mein Frauchen übrigens bis heute, denn so lange ich das Allopurinol nehmen muss, muss ich mich auch purinarm ernähren....das geht übrigens ganz schnell, großer Pott mit Möhren und Süßkartoffeln garen, alles durchmixen, Fleisch garen, zusammen abfüllen und dann portionsweise einfrieren....lecker.....kann ich jeden Tag fressen...und wenn dann ab und zu noch ein bischen Feta oder Huettenkaese dabei ist.....ooooooh, dann putze ich das alles ganz schnell weg....
Nach einigen Wochen ging es mir deutlich besser, die Blutwerte waren besser geworden, die Leber hatte sich etwas erholt und die Anämie war auch zurück gegangen.....und hey, ich konnte endlich wieder kleine Runden draußen auf meinen eigenen vier Pfoten laufen, zwar langsam, aber immerhin....das war ein ganz neues Lebensgefühl.....und es war mittlerweile April geworden, Frühling....die Sonne schien, da fror ich dann auch nicht mehr so erbärmlich.....
Es war fast wie ein Wunder, ich überlebte diesen schrecklichen Zustand.....weil ich ein Kämpfer bin, und nicht sterben wollte. Ich wollte das Leben bei meinem Frauchen noch lange genießen....und mein Frauchen tat auch alles, um mich dabei zu unterstützen.....DANKE, Frauchen! Das werde ich nie vergessen.....
Mir ging es täglich besser, ich wurde agiler und nahm auch wieder an Gewicht zu und hey, die 11 kg habe ich schon wieder drauf.....auch wenn der Tierarzt sagt, das sei ein wenig zuviel, es müsste etwas Gewicht reduziert werden......oooooooooch.....echt jetzt?
Das Allopurinol muss ich weiter nehmen, das Medikament zur Unterstützung des Immunsystems konnte ich mittlerweile absetzen, und nun warten wir die nächsten Laborwerte ab.....aber hey, ich bin wieder da! Und ich genieße mein Leben nun noch mehr.....
.....ich kann endlich wieder im Wald auf einer Mauer sitzen, und alle Gerüche in die Nase saugen, die Augen schließen und Geräusche hören und die Sonne auf dem Fell spüren....und mein Frauchen neben mir, sie passt auf mich auf.....
......auch wenn ich mal wieder Unsinn mache....
Und der Dr. Borgers, der ist echt klasse, auch wenn er mich immer Stinkstiefel nennt, weil ich mich immer so zickig anstelle.....aber er pikst mich ja auch jedesmal, wenn ich da bin....jaja, Frauchen, ich weiß, das muss sein....aber ich bin doch in den letzten Monaten so oft gepisakt worden, da muss ich mich doch mal ein wenig wehren, jetzt wo ich es wieder kann.....so ein Straßenhund muss doch auch mal motzen können......aber hey, Dr. Borgers darf mich auch weiter Stinkstiefel nennen, der hat mir nämlich das Leben gerettet.....neben meinem Frauchen natürlich....Frauchen, wann gibt es was zu futtern?





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